Inhalt * Stilistik > Kommunikative Strategie und Stil > Stilfiguren * Theoretische Grammatik > Der Einfachsatz > Das Problem der Satzglieder > Das Problem der Wortarten > Modus und Modalitaet > Tempus und Temporalitaet > Die Modellierung des Satzes * Lexikologie > Das Wort als linguistisches Zeichen > Die Wortbedeutung > Die Bedeutungsverengung > Bereicherung des Wortschatzes aus fremden Sprachen. * Sprachgeschichte > Der Wortbestand aus etymologischer Sicht > Herausbildung der analytischen Verbformen > Besonderheiten der deutschen Literatursprache in OEsterreich > Herausbildung der nationalen Literatursprache > Deutsch innerhalb des Westgermanischen Stilistik Kommunikative Strategie und Stil Die Stilistik ist die Lehre von den Gesetzmaessigkeiten der Stilgestaltung und von den Prinzipien der Stiluntersuchung und Stilbewertung. Die Stilelemente sind der zentrale Gegenstand der Stilistik. Das sind sprachliche Mitteln, die eine bestimmte Funktion im Stilsystem des Textes ausueben. D.h. nicht einfach die phonologischen, lexikalischen und grammatischen Mitteln, sondern ihre Relation zur Spezifik der kommunikativen Situation und Aufgabe. Die Redeweise wird beeinflusst von den ausserlinguistischen Faktoren: nationaler, sozialer, beruflicher und Territorialer Zugehoerigkeit der Kommunikationspartner, ihrem Bildungsgrad, Leben, Alter. Die Nationalsprache zeichnet sich durch verschiedene Funktionalstile aus. Alle Stile haben eigene Funktionen. 1. Stil der Alltagsrede ---> kommunikative Funktion 2. Stil der Wissenschaft ---> informative Funktion 3. Stil der Presse und Publizistik ---> appelative Funktion (anderen zu beeinflussen) 4. Stil der Direktive ---> steuernde Funktion 5. Stil der schoenen Literatur ---> aesthetische Funktion Jedem Funktionalstil sind seine Stilzuege eigen. Der Stilzug verleiht dem Text eine lingvo-stilistische Spezifik. Er besteht aus einem Komplex von Stilelementen. Stilzuege sind innere qualitative Wesensmerkmale eines Funktionalstils (Riesel). Z.B. knapp (Alltag) – breit (schoene Literatur) emotional – nicht emotional statisch – dynamisch objektiv – subjektiv Eine andere grundlegende Kategorie der Stilistik ist Stilfaerbung: 1. Funktionale Komponente zeigen in welcher kommunikativen Sphaere die sprachliche Einheit beheimatet ist. (+ gehoben; 0 literarisch / umg = null-markiert; – salopp) 2. normativ 3. expressiv Stilfiguren Verknuepfung im Satz: * Beiordnung (parataktisch) ---> in Maerchen * Unterordnung (hypotaktisch) ---> zeigt logische Beziehungen zw. Erscheinungen Besondre Mittel der syntaktischen Verbindung (Stilfiguren): 1. Aufzaehlung * aufsteigend (Z.B.: … ist umso kleinlicher, gefraessiger, erbittender…) * absteigend (Z.B.: … der hoechste, geehrte und der beste Gast…) 2. Wiederholung * phonetisch (Alliteration / Assonanz) * lexisch (Z.B.: Mein Vater, Mein Vater…) * grammatisch > Anapher – mehrere aufeinander folgende Saetze beginnen mit dem gleichen Wort od. Wortgruppe > Epipher – mehrere Saetze mit gleichem Schluss > Anadiplose – der letzte Wort des Satzes wiederholt sich an der Spitze des Folgenden > Grammatischer Parallelismus – die ganze grammatische Struktur wird wiederholt 3. Gegenueberstellung * Antithese – Gegenueberstellung von zwei Begriffen * Chiasmus – Gegenueberstellung im Satzbau. Gegenuebergestelltes wird in umgekehrter Weise wiederholt (Z.B.: Wir muessen kaempfend warten und wartend kaempfen). * Oxymoron – eine scheinbar widersinnige Verbindung von Antithesen (Z.B.: Eine haessliche Schoenheit) * Zeugma – Vereinigung begrifflich unterschiedlicher Woerter, die grammatisch durch gleichartige Satzglieder ausgedrueckt sind (Z.B.: Durch Wuerste und Universitaet ---> verschiedene begriffliche Niveaus) Die Prolepse – ein abgesonderter Substantiv, der an der Spitze des Satzes steht, wird durch Pronomen wiederaufgenommen (Z.B.: Die Daria, sie studiert jetzt im Essen). Der Nachtrag – Gegenstueck der Prolepse – der Pronomen geht den Substantiv voran (Z.B.: Wer hatte sie vertrieben, die Angst). Theoretische Grammatik Der Einfachsatz Man unterscheidet 3 syntaktische Einheiten: die Wortgruppe, der Satz, die transphrastische Einheit (Text). Aber die Grundeinheit der Syntax ist der Satz In den meisten Grammatiken wird der Satz allseitig definiert. Das ist die kleinste, relativ selbstaendige Redeeinheit, die eine kognitive, nominative, kommunikative Funktionen hat und nach den Gesetzen der jeweiligen Sprache strukturiert wird (Moskalskaja). Der Eigenart des Satzes besteht darin, dass sie keine konstante Groesse ist. Sie werden jedes Mal in der gegebenen Sprachsituation nach den Gesetzen der Sprache neugebildet. Die Satzformen: 1. Aussagesatz (wird durch 2-Stellung des Verbs und fallende Intonation gekennzeichnet) 2. Fragesatz > Entscheidungsfrage (Spitzenstellung des Verbs, steigende Intonation) > Ergaenzungsfrage (2-Stellung des Verbs, fallende Intonation. Die Spitzenstellung nimmt das Fragewert ein) 3. Aufforderungssatz (Spitzenstellung des Verbs, fallende Intonation. Satzpraegend ist Imperativ) Ausrufe zaehlt man nicht zu den Satzarten, es ist eine Aussage, Frage, Aufforderung mit starker emotionaler Faerbung. Alle Satzformen bilden das syntaktische Paradigma. Es gibt 3 Kategorien der Praedikativitaet: Person, Zeit, Modalitaet. Sie kennzeichnen die AEusserung vom Stammpunkt der Realitaet, Zeitbezugs, Wirklichkeit / Nichtwirklichkeit. Traeger der Praedikativitaet ist das verbum finitum. (Z.B.: Er arbeitet - 3 Person, Gegenwart, Real). Die klassische Form ist der 2-gliedrige Satz mit der finiten Verbalform, deshalb ist die Subjekt-Praedikat-Beziehung das Hauptgestaltungsmittel des Satzes. Der Satz wird von der Seite der semantischen, strukturellen, kommunikativen und pragmatischen Aspekten angesehen: 1. Pragmatischer Aspekt basiert auf den Verhaeltnissen zwischen den Gespraechspartnern. Unter diesem Aspekt unterscheidet man repraesentative, direktive, expressive, deklarative und komissive Saetze. 2. Semantischer Aspekt besteht darin, dass er eine Situation (Proposition) darstellt und bezeichnet. Wenn der Satz eine Proposition bezeichnet – elementarer Satz, einige Propositionen – semantisch verdichter Satz. 3. Kommunikativer Aspekt basiert darin, dass man im Satz Sachverhalt (Propos) und aktuelle Information. Ein und derselber semantischer Gehalt kann verschiedene aktuelle Informationen wiedergeben. 4. Struktureller Aspekt basiert darin, dass der Satz bilateral ist. D.h. im Satz lassen sich das Bezeichnete und das Bezeichnende unterscheiden, deshalb sprechen wir nicht nur von dem inhaltlichen sondern auch von dem strukturellen Aspekt. Komplizierung des Satzes durch: 1. Erweiterung des Satzes (durch gleichartige SG, freie Angaben, Attribute) 2. Partizipial- und Infinitivgruppen (Z.B.: Ins Hotel zurueckgekehrt bekam er Zeitung) 3. Schaltsaetze und Schaltwortgruppen (Z.B.: Das Experiment war, kurz gesagt, ein Misserfolg) 4. Ausklammerung (Z.B.: Gestern ist er gekommen, mein Onkel) 5. Isolierung (Z.B.: Er war noch jung. Erst Mitte 20) Das Problem der Satzglieder Syntax ist die Lehre von der Kombination der Woerter zu Saetzen. Die Woerter bilden im Satz kein blosses Nacheinander, sondern ordnen sich als Miteinander ein. Zwischen der Ebene des Satzes und der Ebene des Wortes gibt es noch die Ebene der Satzglieder. Die Theorie ueber die Satzglieder setzte sich erst seit dem 19Jh in der Grammatik durch und zwar aus der klassischen Logik. Becker gliederte folgende Satzglieder aus: Subjekt, Praedikat, Objekte, Adverbialien, Attribute. (Maengel von dieser Theorie: keine allgemein gueltige Definition, Attribute sind keine Satzglieder, Objekte werden nach der Form klassifiziert, Adverbialen nach der Semantik. Die grammatischen Theorien ermoeglichen es, den Satz in unterschiedlicher Weise zu gliedern. Es gibt verschiedene Satzgliedersysteme: o Glinz, Erben: nur Praedikat ist ein Hauptglied. Man unterscheidet Satzglieder des 1. und. des 2. Ranges. (2.Rang – Attribut) o Die traditionelle Auffassung: 2 Hauptglieder – das Subjekt und das Praedikat. o Nach der strukturellen Tendenz werden folgende fallbestimmte Satzglieder Groessen) genannt: Grundgroesse, Zielgroesse, Zuwendgroesse, Anteilgroesse, Lagegroesse, Gleichgroesse. Lageangaben sind fallfremde Satzglieder. Wir entscheiden uns fuer ein Satzgliedersystem, das von der syntaktischen Grundbeziehung von Subjekt und Praedikat angeht (Jung, Moskalskaja) Hauptglieder: Subjekt-Praedikat-Beziehung ist die Grundlage des Satzes. Das Subjekt ist in seiner verallgemeinerten Bedeutung der Merkmaltraeger. Das Praedikat ist das Merkmal. * Das Subjekt steht im Nominativ oder kann durch einen Nominativ ersetzt werden. Er benennt eine Erscheinung im weitesten Sinne des Wortes; ist der Traeger einer Handlung, eines Vorganges. * Das Praedikat besteht aus einem autosemantischen Wort, das die Aussagefunktion sprachlich realisiert und aus den grammatischen Morphemen, die an dem finiten Verb gebunden sind und Tempus, Modus, Genus, Person, Numerus ausdruecken. Damit verbindet das Praedikat den Sachverhalt und die kommunikative Situation Nebenglieder: * Akkusativobjekt (Ziel der Handlung, Instrument) * Dativobjekt (Handlung wird auf das Dat-obj. orientiert) * Genitivobjekt (das Geschehen ist zielgerichtet) * Praepositionales Objekt (Nicht das Verb, sondern die Praeposition schreibt den Kasus des Substantivs vor) * Adverbialien (Richtungs-, Ort-, Zeit-, Art-, Kausalbestimmung) Das Problem der Wortarten Die Kategorie der Wortarten ordnet den Wortschatz in Wortklassen und ermoeglicht auf diese Weise seine Beschreibung. Die Zugehoerigkeit eines Wortes zu einer bestimmten Wortart wird durch den Charakter ihres Funktionierens in der Rede bestimmt. Jedes Wort hat bestimmte Formmerkmale, erfuellt eine bestimmte Funktion und verbindet sich mit den anderen Woertern. Der Wortbestand laesst sich in Gruppen (Wortarten) aufgliedern. Die Woerter werden nach 3 Kriterien klassifiziert: nach der Sachbedeutung, morphologischen Form, syntaktischen Funktion. Man unterscheidet verschiedene Klassifikationen. * Nach morphologischen Kriterien (Flemig): 1. Flektierbare (konjugierbare – Verb; deklinierbare – Substantiv, Adjektiv, Pronomen) 2. Unflektierbare (Adverb, Praeposition, Konjunktion) 3. Interjektion * Nach syntaktischen Kriterien (Helbig): 1. Hauptsaechliche Wortarten (Verb, Substantiv, Adjektiv, Adverb). 2. Funktionswoerter (Artikeln) 3. Fuegewoerter (Praeposition, Konjunktion) 4. Adverbaehnliche (Partikeln, Modalwoerter, Negationswoerter) * Traditionelle Klassifikation (Admoni): 1. 10 Wortarten (Verb, Substantiv, Artikel, Pronomen, Adjektiv, Adverb, Numeralien, Praeposition, Konjunktion, Interjektion). 2. Noch 3 Wortarten hinzugefuegt: * Negation (haben verschiedene morphologische Strukturen und syntaktische Funktionen, bilden aber eine geschlossene grammatische Einheit aufgrund ihrer Bedeutung) * Modalwort (wird nach 2 Kriterien gegliedert: nach der Sachbedeutung – sie druecken das Verhaeltnis des Sprechers zur Realitaet / Irrealitaet der AEusserung, – und nach der syntaktischen Funktion – sie treten im Satz als Modalglieder) * Partikel (wird nach 2 Kriterien gegliedert: nach der Sachbedeutung – abgeschwaechte semantische Bedeutung, – nach der syntaktischen Funktion – sie treten nicht als Satzglieder auf, sie nehmen keine selbstaendige Stelle im Satz ein, erfuellen aber eine kommunikative Funktion: sie markieren das semantische Zentrum der AEusserung). * Nach semantischen Kriterien (Moskalskaja): 1. Autosemantika (Begriffswoerter – benennende oder nominative Funktion, treten als Satzglieder) * Benennende (Verb, Substantiv, Adjektiv, Adverb) * Verweisende (Pronomen) * Zaehlende (Numeralien) 2. Synsemantika (Funktionswoerter, treten nicht als Satzglieder) * Mit syntaktischer Funktion (Praeposition, Konjunktion, Partikel, Kopula) * Mit morphologischer Funktion (Artikel, Hilfsverb) 3. Modalwort 4. Interjektion Modus und Modalitaet Modus ist eine grammatische Kategorie des Verbs, Modalitaet – ein strukturelles Merkmal des Satzes und deshalb – eine syntaktische Kategorie. Modalitaet bezeichnet die Stellungnahme der Sprechenden zum Inhalt der Aussage (wie sich der Inhalt auf die Wirklichkeit bezieht), und wird durch lexische, morphologische, und intonatorische Mittel bezeichnet. (Z.B.: Wenn ich mehr Freizeit haette! Wahrscheinlich kommt er heute zeitig). Arten der Modalitaet: 1. Die aeussere / subjektive Modalitaet. Ist obligatorisch. (Z.B.: Er besucht uns heute. Er wuerde uns besuchen, wenn er…); * Modalitaet der Realitaet drueckt aus: * die Feststellung als etwas Reales vom Stammpunkt des Sprechenden (Z.B.: Wasser gefriert bei 0 Grad) * der Sprecher kann etwas Erdachtes als real darstellen (Z.B.: Die Erde ist ein Planet). Indikativ tritt hier als Dominante auf. Zur Verstaerkung der Realitaet dienen lexische Mittel (Modalwoerter – Z.B.: Das weiss ich ganz genau; Kontext). Die Peripherie des Modalfeldes bilden die Konstruktionen mit Konjunktiv II - diplomatischer Konj. (Z.B.: Nun haetten wir das geschafft). * Modalitaet der Irrealitaet zerfaellt in: * Die potentiell irreale Modalitaet – die Aussage wird als etwas potentiell Moegliches oder etwas Irreales vorgesehen. Dominante – Konj.II (Z.B.: Beim guten Wetter wuerde ich morgen spazieren gehen). * Die Modalitaet der Vermutung zeigt, ob die Aussage der Wirklichkeit entspricht. Ausdrucksmittel: Modalverben in sekundaeren Bedeutung; Modalwoerter (vielleicht); Futurum I und II. (Z.B.: Peter wird jetzt zu Hause sein); * Die Modalitaet der Aufforderung. Die Aussage drueckt eine Willensaeusserung des Sprechenden aus. Die Aufforderung kann als Vorschlag, Ratschlag, Befehl, Bitte gestaltet werden (Z.B.: Man schreibe den Text ab). Dominante: Imperativ; Praesens Konj.; Fut. I in der 2. Person (Du wirst diesen Auftrag erfuellen). Peripherie bilden die Saetze, wo nur die Intonation als Ausdrucksmittel auftritt (Z.B.: Du stehst sofort auf!). 2. Die innere / objektive Modalitaet. Ist fakultativ. Bezeichnet das Verhaeltnis des Subjekts zur Handlung, die durch Infinitiv ausgedrueckt wird (Z.B.: Er wird uns besuchen). Dominante beruht auf den Gebrauch von Modalverben in ihrer Grundbedeutung. Andere Mittel: haben / sein+zu +Inf; Ausdruecke: ich bin imstande, ich habe den Wunsch. 3. Die Modalitaet der fremden Aussage. Das ist eine Modifizierung der subjektiven Realitaet / Irrealitaet. Sie drueckt den Grad der Distanziertheit des Sprechenden zur Handlung aus (Z.B.: Man sagt, er komme zeitig). Dabei bleibt der reale / irreale Plan der primaeren Aussage unveraendert (Z.B.: Der Reporter sagt, Schiller sei der groesste deutsche Dichter). In der indirekten Rede ohne Einleitung steht der Konj. I obligatorisch. In der indirekten Rede mit Anfuehrung - fakultativ. Tempus und Temporalitaet Tempus ist eine kommunikativ-grammatische Kategorie des Verbs. Man unterscheidet 6 Tempora, sie bilden das Tempusystem der Sprache. Dem Tempusystem liegt die Kategorie der Zeit (ein objektiver aussersprachlicher Begriff) zu Grunde, sie praegt den Satz indem sie das Verb mit dem Redeakt verbindet. Temporalitaet ist eine kommunikativ-grammatische Kategorie des Satzes, die der subjektive Ausdruck der objektiven Realitaet widerspiegelt. Tempora: 1. absolute / direkte (das Geschehen wird unmittelbar auf den Moment des Redeaktes bezogen. Z.B.: Seine Tochter studiert jetzt in Berlin) 2. relative / indirekte (das Geschehen wird auf den Zeitpunkt eines anderen Geschehens bezogen. Hier gibt es 3 Beziehungen: Gleichzeitigkeit – Z.B.: Wenn es regnet, bleiben wir zu Hause; Vorzeitigkeit – Z.B.: Nachdem wir unsere Arbeit beendet hatten, gingen wir ins Theater; Nachzeitigkeit – Z.B.: Die Bauern hatten die Arbeit beendet, ehe die Sonne unterging) Gebrauch der Tempusformen. Traditionell ist folgendes Schema bekannt: o Vergangenheit (Praeteritum, Plusquamperfekt), o Gegenwart (Praesens, Perfekt), o Zukunft (Futurum I, Futurum II) Dieses Schema entspricht dem tatsaechlichen Sprachgebrauch nicht immer. Beim Tempusgebrauch muss man Funktionen der Tempusformen, der Kontextelemente und der lexischen Mittel beachten. Bei der Beruecksichtigung ergeben sich die Bereiche der Verwendung jeder Zeitform. Praesens: 1. Generelles Praesens bezeichnet ein allgemein gueltiges Geschehen (Z.B.: Die Erde bewegt s. um die Sonne) 2. Aktuelles Praesens drueckt gegenwaertige Sachverhalte aus (Z.B.: Wir warten auf den naechsten Zug) 3. Historisches Praesens drueckt vergangene Sachverhalte aus (zB 1941 beginnt der grosse Vaterlaendische Krieg) 4. Bezeichnet ein zukuenftiges Geschehen (Z.B.: Ich schliesse in 2 Tagen meine Jahresarbeit ab) 5. Allgemeine Zeit Praeteritum: 1. Bezeichnet vergangene Geschehnisse (gilt als Erzaehltempus) 2. Wird in der erlebten Rede als Stilmittel benutzt, um gegenwaertige Sachverhalte zu kennzeichnen. In der direkten Rede werden innere Gedanken einer Person wiedergegeben. 3. Manchmal wird statt Praesens gebraucht (umg.) (Z.B.: Wer war noch ohne Fahrschein?) Perfekt: 1. Bezeichnung eines vergangenen Geschehens (Z.B.: Ich habe alle Pruefungen gut bestanden) 2. Bezeichnung eines zukuenftigen Geschehens (Z.B.: Bald haben wir die Aufgabe geloest) 3. Manchmal – Bezeichnung einer allgemein gueltigen Sachverhalt (Z.B.: Jetzt haben wir Mut gefasst) Plusquamperfekt: 1. bezeichnet immer vergangene Sachverhalte. Futurum I: 1. Drueckt ein zukuenftiges Geschehen aus (Z.B.: Wir werden bald die Ergebnisse erfahren). 2. Bezeichnet ein vermutetes Geschehen in der Gegenwart – etwas unbestimmtes (Z.B.: Er wird jetzt im Buero sein) Futurum II: 1. bezeichnet ein zukuenftiges Geschehen (Z.B.: Morgen werde ich die Arbeit beendet haben) 2. Dient zur Bezeichnung eines vermuteten Geschehens in Vergangenheit (Z.B.: Er wird die Stadt gestern verlassen haben) Vorherrschendwird in modaler Bedeutung gebraucht. Aus den neuen Untersuchungen ergibt sich ein neues Schema des Zeitformengebrauchs (nach Flemig): o einfache Zeitformen > Praesens (allgemeine Zeit) > Praeteritum (vergangene Zeit) o analytische Zeitformen > Perfekt (vollzogenes Geschehen im Gegenwart, Zukunft, Vergangenheit) > Plusquamperfekt (vollzogenes Geschehen in der Vergangenheit) > Futurum I (erwartetes Geschehen) > Futurum II (erwartetes vollzogenes Geschehen) Die Temporalitaet (Zeitbedeutung) ist nur zum Teil eine Aufgabe der Tempusystem. Die Zeitbedeutung erfolgt auch durch lexikalische Mittel und den Kontext. Ausserdem haben die Tempusformen die Funktionen der Modalitaet (Fut.I,II), der Aktionsart (Perf., Plusquamperf.) und der Stilfaerbung (umg) uebernommen. Die Modellierung des Satzes Paul Graebe: „Jede Sprache besitzt eine ueberschaubare Zahl der Satzplaene, nach denen Muster die Saetze vollziehen.“ In der Sprachwissenschaft gibt es zwei Hauptrichtungen: 1. Semantisch-grammatische (Brinkman, Admoni) – die inhaltliche Bedeutung ist ausschlaggebend fuer die Satzmodellierung. Brinkman unterscheidet 4 Grundmodellen: o Vorgangssatz (Es regnet) o Handlungssatz (Wir bauen ein Haus) o Adjektivsatz (Ich bin krank) o Substantivsatz ( Wir sind Studenten) 2. Strukturell-grammatische (Helbig, Abramow, Graebe, Erben) – finite Verbform wird als Zentrum des Satzes betrachtet. Graebe gliedert 3 Gruppen von Satztypen aus: o Ergaenzungslose Saetze (Die Rosen bluehen) o Saetze mit einem Ergaenzung (Muenchen liegt an der Isar) o Saetze mit mehreren Ergaenzungen (Ich schenke meinem Bruder ein Buch) o Sondertyp – doppeltes Akkusativ (Er lehrt uns die deutsche Sprache) Moskalskaja: Bei der Satzmodellierung muss man Inhalt und Struktur in einer Einheit betrachten. Man muss nicht nur zweigliedrige Saetze, sondern auch eingliedrige Saetze in Betracht ziehen. Als Hauptkriterium fuer die Satztypen sie das Vorhandensein oder –Fehlen des finiten Verbform. o Zweigliedrige Saetze mit dem nominalen Praedikat (Er war Schlosser) o Zweigliedrige Saetze mit dem verbalen Praedikat (Wir leben auf dem Lande) o Zweigliedrige Saetze mit Infinitiv (Es macht Spass, hier zu leben) o Formal zweigliedrige Saetze mit dem Komponenten „es“ (Es ist hell) o Eingliedrige Saetze (Aufstehen! Feuer!) o Phraseologische Satzmodelle (Er und luegen!) Die klassische Form des deutschen Satzes ist der zweigliedrige Satz mit der finiten Verbform. Das Hauptgestaltungsmittel des Satzes ist die Subjekt-Praedikat-Beziehung. Die finite Verbform ist dabei Traeger der Praedikation (solchen satzpraegenden Kategorien des Verbs wie Person, Modalitaet, Zeitbezug). Die Scheidungslinie zwischen zweigliedrigen und eingliedrigen Satz verlaeuft dort, wo die Praedikation durch implizite Mittel(lexische, kontextuelle oder intonatorische) ausgedrueckt wird (Z.B.: Er faehrt nach Berlin – Praedikation: Realitaet, 3 Person, Gegenwart; Stille Nacht – Praedikation: Realitaet, 3 Person, Gegenwart ---> implizit ausgedrueckt). Lexikologie Das Wort als linguistisches Zeichen Das Wort ist die strukturelle und semantische Grundeinheit der Sprache. Er hat bilateralen Charakter und verbindet Materielles (Formativ, Lautkomplex) ---> das Bezeichnende, und Ideelles (Inhalt, Bedeutung) ---> das Bezeichnete. Es ist schwierig eine einheitliche Definition zu finden, weil Wort bestimmte Sonderzuege in verschiedenen Sprachen ausweist und ausserdem vielschichtig ist. In jedem Wort treffen sich folgende Ebenen: 1. Phonetische (Sprechlaut) 2. Phonologische (Sprachlaut) 3. Morphologische (Morphem) 4. Lexikalische (Lexem) 5. Syntaktische (Syntagma) 6. Stilistische (hat keine Extraeinheit, ist aber uebergreifend) Das Wort – Grundeinheit der Sprache – ist kleinste, relativ selbststaendige Einheit der Sprache mit Bezeichnungs- und Benennungsfunktion, die als Element des Sprachsystems eine phonetisch-graphemische und lexisch-semantische Ganzheit darstellt, die in der sprachlichen Taetigkeit grammatisch geformt in einer lexisch-semantischen phonologisch-grammatischen Variante auftritt. (Kleine Enzyklopaedie der deutschen Sprache) Kommentar: 1. Grundeinheit der Sprache. Die amerikanischen Diskribisten haben versucht das Morphem als Grundeinheit der Sprache darzustellen. Ihr Versuch war gescheitert, weil Woerter eine Bedeutung haben – Objekte und Erscheinungen widerspiegeln. Morpheme verfuegen nur ueber eine kategoriale Bedeutung, koennen praktisch nicht ausserhalb des Wortes auftreten ---> sind zu formal. 2. Relativ selbststaendig. Wir kommunizieren in Saetzen und Texten, Woerter treten im Satz in einer Konkreten grammatischen Form aus (sind grammatisch geformt) 3. Bezeichnungs- und Benennungsfunktion. Das Wort verfuegt ueber die semantische und nominative Funktion. 4. Im Sprachsystem treten die Woerter als Ganzheiten auf. Der ph-g und l-s Ganzheit ist ein sehr wichtiges Merkmal des Wortes. Der Zeichencharakter der Sprache ist eines ihrer universalen Merkmale. Hat F. de Saussure entdeckt. Er unterscheidet 2 Seiten – ideelle und materiale. Grundthesen der Zeichentheorie: 1. Der Zeichencharakter der Sprache ist die Bezogenheit der sprachlichen Elemente aus aussersprachlichen Erscheinungen, Gegenstaende, Situationen. Wort– Repraesentant der Gegenstand. 2. Zur Zeichenfunktion der Sprache gehoert die Faehigkeit der sprachlichen Zeichen Ergebnisse der Erkenntnistaetigkeit des Menschen verallgemeinert auszudruecken. 3. Das sprachliche Zeichen ist bilateral, denn er schlisst die Lautform und den Inhalt ein. 4. Die ideelle Seite des Wortes existiert nicht ausserhalb der Gegenstaende und Erscheinungen der Welt. Die Sprache als Zeichensystem ist ein universales Kommunikationsmittel. Als Zeichen wird betrachtet: o Morphem (formativ + kategoriale Bedeutung) o Das Wort (formativ + Bedeutung) o Wortfuegung (komplexes Zeichen) o Satz (gibt ås Diskussionen) o Text (gibt ås Diskussionen) Funktionen der Sprachlichen Zeichen: * Repraesentative (Nomination) * Kognitive (Verallgemeinerung) * Kommunikative (Wiedergabe der Information) * Pragmatische (Einwirkung auf den Menschen) * Strukturelle (Arbitraritaet des sprachlichen Zeichen) Die Wortbedeutung Das Wort ist ein bilaterales sprachliches Zeichen, eine dialektische Einheit von Formativ (Materielles) und Bedeutung (Ideelles). Die Wortbedeutung (lexikalische Bedeutung) bildet in dialektischer Einheit mit dem Wortkoerper das sprachliche Zeichen. Die Bedeutung ist ein gesellschaftlich determiniertes interindividuelles Abbild der Merkmalstruktur eines Gegentandes oder einer Erscheinung der objektiven Realitaet. (Stepanova) Aspekte der Wortbedeutung: 1. Denotativer Aspekt – Wort bezieht sich auf ein Gegenstand 2. Signifikativer Aspekt – Wort fixiert und realisiert einen Begriff 3. Pragmatischer Aspekt – Beziehung „Wort – Mensch“ Der ganze Wortschatz wird in zwei Schichten eingeteilt: neutrale und expressive Lexik (Z.B.: das Gesicht-neutral – die Fassade-umg). Man unterscheidet die potenzielle (im Sprachsystem) und die aktuelle (in der Rede realisierte) lexikalische Bedeutung. Die lexikalische Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes ist ein Komplex von Einzelbedeutungen (Sememe / lexisch-semantische Varianten). Die Sememe eines mehrdeutigen Wortes sind hierarchisch geordnet und bilden die semantische Struktur / das Bedeutungsgefuege des Wortes. In der semantischen Struktur von mehrdeutigen Woertern kann man folgende Typen der Bedeutungen aussondern: 1. Hauptbedeutung – Nebenbedeutung. Die Hauptbedeutung ist zu einem bestimmten Zeitpunkt die gesellschaftlich wichtigste Bedeutung im Bewusstsein der meisten Sprachtraeger (Z.B.: hell – reich an Licht). Die Nebenbedeutungen sind sekundaere Sememe, die von der Hauptbedeutung semantisch abgeleitet sind und meistens durch metaphorische oder metonymische UEbertragung entstehen (Z.B.: gruen – unreif; sozial unreif). 2. Direkte – uebertragene Bedeutung. Die direkte Bedeutung entsteht bei der primaeren Nomination von Gegenstaenden und stimmt oft mit der Hauptbedeutung ueberein. UEbertragene Bedeutungen entstehen bei der sekundaeren Nomination und beziehen sich auf die Denotate indirekt, durch semantische UEbertragung (Z.B.: ein tiefer Brunnen – tiefe Gedanken). 3. Syntaktisch freie – phraseologisch gebundene Bedeutung. Syntaktisch freie Sememe kommen in einer grossen Anzahl von Kontexten vor, sind weniger kontextabhaengig (oft – die Hauptbedeutungen des Lexems). Phraseologisch gebundene Bedeutungen werden nur in einer begrenzten Anzahl von Kontexten realisiert (Z.B.: ein heller Kopf). Im Rahmen der semantischen Struktur des Wortes besteht seine semantische Mikrostruktur. Jedes Semem kann weiter in kleinere und kleinste Bedeutungskomponenten (Seme) zerlegt werden. Aus Semen setzt sich ein Semem zusammen. Sie spiegeln wesentliche, objektive Merkmale der Gegenstand und Erscheinung wieder, sind also denotativ bedingt. Die Bedeutungsveraenderung Bedeutungswandel (semantische Derivation) – die Bedeutungsveraenderung der Woerter im Laufe der Zeit, bedingt durch Wesen und Charakter der Sprache als gesellschaftliche Erscheinung. Bedeutungswandel entsteht durch die Verwendung vorhandener sprachlicher Zeichen fuer neue oder veraenderte Denotate. Er bereichert den Wortschatz nicht quantitativ, sondern qualitativ. Die Ursachen des Bedeutungswandels: 1. Aussersprachliche (extralinguistische) * Die gesellschaftliche Entwicklung (Veraenderungen in der gesellschaftlichen Praxis) * Der Sachwandel (Resultat des technisch-wissenschaftlichen Fortschrittes) * Individual-sprachlicher Faktor (Sprachgebrauch bedeutender Persoenlichkeiten) 2. Sprachliche (intralinguistische) * Die Wechselbeziehung zwischen dem Allgemeinwortschatz und den Fach- und Sonderwortschaetzen (Medizin, Sport, Jugendlexik) * Wirkung der Analogie mit semantischer UEbergaengen (konkret-abstrakt, Mensch-Natur u.a) Die Arten des Bedeutungswandels: 1. Die Bedeutungserweiterung – die Erweiterung der Wortbedeutung nach dem Prozess der Bedeutungswandels. Die alte, engere Bedeutung dehnt sich auf neue Gegenstaende, Prozesse und Sachverhalte aus (Z.B.: Kampf – verwandt mit lat. kampus “Feld”, heutige Bedeutung - “Streit”). 2. Die Bedeutungsverengung – die Verengung der urspruenglich weiten Bedeutung. Die Bedeutung entwickelt sich vom Allgemeinen zum Einzelnen oder Besonderen (Z.B.: ledig – urspruenglich- “ungebunden, frei”, heute- “unverheiratet”). 3. Die Bedeutungsuebertragung – neue Erscheinungen werden mit bereits bestehenden Formativen benannt. Die Nomination erfolgt auf Grund einer AEhnlichkeit, einer Assoziation. Arten der Bedeutungsuebertragung: * Metapher – die UEbertragung auf Grund einer aeusseren und inneren AEhnlichkeit. Man unterscheidet poetische / stilistische (die Flamme der Liebe) und lexikalische / sprachliche (Schlange, Tischbein) Metaphern. Besondere Arten der Metapher – Personifizierung (die Uhr geht) und Synaesthesie (trockene Worte). * Metonymie – die UEbertragung auf Grund der logischen Beziehungen (logische, raeumliche, zeitliche u.a., z.B.: Schlaukopf; das ganze Haus – alle Bewohner). Eine Sonderart – Synekdoche – Vertauschung der Bezeichnungen zwischen dem Ganzen und dessen Teil („Schwert“ statt „Waffen“). * Euphemismus – eine verhuellende, beschoenigende, mildernde Umschreibung fuer ein anstoessiges oder unangenehmes Wort (Z.B. einschlafen statt sterben). Die Euphemismen lassen sich in vier Gruppen einteilen: religioese (der Allmaechtige = Gott), sozial-moralische (blau = betrunken), gesellschaftlich-aesthetische (korpulent = dick) und politische (Engpass = Mangel). Im Rahmen der Bedeutungsverengung kann man zwei psychologisch bedingte Prozesse betrachten: a) Bedeutungsverbesserung / Wertsteigerung (Z.B.: Marschall – frueher: Stallknecht) b) Bedeutungsverschlechterung / Wertminderung (Z.B.: Knecht – englisch: Ritter; frueher: Knabe) Bereicherung des Wortschatzes aus fremden Sprachen. Zahlreiche und vielfaeltige Sprachkontakte zwischen den Voelkern fuehren zur gegenseitigen Beeinflussung von Sprachen und Kulturen und, letzten Endes – zu Entlehnungen im Wortschatz. Entlehnung ist die UEbernahme fremden Sprachgutes. Entlehnungen sind eine wichtige Quelle von Erweiterung der Sprache. Ursachen der Entlehnung: 1. Sozialhistorische (Entlehnungen des Wortes mit der Sache, unter dem kulturellen und wirtschaftlichen Einfluss von hoeher entwickelten Laender) 2. Linguistische * Jeweilige Entwicklungsstand des semantischen Systems (Leerstellen werden durch entlehnte Woerter geschlossen) * Euphemismen (Entlehnungen sind fuer meisten Sprachtraeger semantisch unmotiviert ---> mildern die Bedeutung) * Expressive Synonymie (um expressive Lexik stets zu erneuern) * Terminologische Verwendung (Entlehnungen sind eindeutig) * Neutralisierung der uebermaessigen Polysemie Arten der Entlehnung: * Sach- und Wortentlehnung – neue Woerter werden uebernommen, weil deren Denotate (Erscheinungen und Gegenstaende) unbekannt sind (Wein – vinum, lat.) * Wortentlehnungen – werden fremdsprachliche Woerter uebernommen, deren Denotate in der Sprache bereits durch eigene Woerter ausgedrueckt sind – UEbernahme von Dubletten (Job – Arbeit) Formen der Entlehnung: * Fremdwortuebernahme (direkte Entlehnung) – fremdes Wort wird mit minimaler Abaenderung aufgenommen (Datscha – Landhaus) * Lehnpraegung – Nachbildung des fremdsprachlichen Inhalts mit vorhandenen Mitteln der eigenen Sprache. > Lehnuebersetzung – Nachbildung der Morphemstruktur von Fremdwoertern (Glied-fuer-Glied-UEbersetzung: cold war – der kalte Krieg) > Lehnuebertragung – eine freie Wiedergabe der Morphemstruktur des fremden Wortes (hobby-horse – Steckenpferd) > Lehnbedeutung – die Zuordnung einer fremdsprachlichen Bedeutung zu einem Deutsche Wort (das Wort „Fall“ hat unter dem Einfluss des lat. casus (fallen) die Bedeutung „Kasus“ angenommen) Klassifikation der Entlehnungen (Zinder, Strojeva): 1. Deutsche Woerter (native: Haus, gut, + Entlehnungen: Keller, Fenster) 2. Internationalismen (Atom, Barometer, Demokratie) 3. Fremdwoerter Purismus – eine Bewegung fuer Sprachreinigung und Fremdwoerterbekaempfung. Im Deutschen nehmen die angloamerikanischen Entlehnungen einen wichtigen Platz ein (aus sozialhistorischen Gruenden). Probleme beim gebrauch: mit Orthografie, Morphologie, Wortbildung. Sprachgeschichte Der Wortbestand aus etymologischer Sicht Deutscher Wortbestand heute: o Indoeuropaeischer Herkunft (Realien der Umwelt, Namen der Koerperteile, Haustiere, Verwandtschaften: Tag, Nacht, Wind, Wasser, Mutter, Kuh, essen, gehen, duenn, kalt, lang) – 50% o Germanischer Herkunft (Ackerbau, Viehzucht, Seefahrt, Wohn-, Bau-, Kriegswesen – Brot, Fleisch, Lamm, Leder, Storch, Schild, Schwert, Waffe. Woerter germanischer Herkunft haben Parallelen in anderen germanischen Sprachen, engl.: bread, lamb, leather, sheep u.a.) – 30% o Deutscher Herkunft (mit nicht erschlossener Etymologie, die nur im Deutschen vorkommen – finster, gering, Geist) – 6% o Fremdsprachlicher Herkunft (Entlehnungen. Es ist zu beachten, dass Entlehnungen waren noch in der germanischen (in der vordeutschen) Zeit ziemlich verbreitet (8 bis 9 % Fremdwoerter) – 14% Die wichtigste Ursache der Entlehnungen bilden Kontakte zwischen Voelkern, Sprachen und Kulturen. Die hoeher entwickelten Laender ueben politischen, oekonomischen, kulturellen Einfluss auf die Nachbarvoelker aus. In bestimmten historischen Perioden verlaeuft der Entlehnungsprozess aktiver, in anderen dagegen laesst er nach. Die Hauptquelle der Fremdwortuebernahme ist die Entlehnung des Wortes mit der Sache. Als Substrat (die frueheste Schicht), gelten Entlehnungen aus dem Keltischen. Landwirtschaft, Gesellschaftsordnung, Militaerwesen: Amt, Reich, Burg, Held, Eisen, reiten u.a. Vermutlich keltischer Herkunft sind einige Orts- und Flussnamen: Rhein, Main, Donau, Worms. Entlehnungen aus dem Lateinischen: * Die erste Welle war in der Zeit der roemischen Besetzung, vor der hochdeutschen Lautverschiebung (vor dem 5. Jh.), dabei wurden neue Kulturbegriffe uebernommen: Landwirtschaft, Militaerwesen, Bauwesen, Hauseinrichtung, Handel: Kaese, Wein, Kampf, Strasse, Mauer, Fenster, Markt, Muenze. * Die zweite Welle war waehrend der Christianisierung (5. bis 9, Jh.) – griechisches und lateinisches Wortgut: Engel, Kloster, Kreuz, Moench, opfern. * Die dritte Welle war in der Zeit der Humanismus (14 – 16 Jh.) – Buchdruck, Musik, Staatsverwaltung, Bildungswesen: Akademie, Abitur, Professor, Examen, Fakultaet, studieren u. a. Entlehnungen aus dem Franzoesischen: * Die erste Welle war in der Zeit des deutschen Rittertums: Tanz, Panzer, Lanze, Platz, Preis, fein u. a. * Die zweite Welle war gegen Ende des 16. und im 17. Jh.: Mode und Lebenshaltung: Balkon, Fassade, Galerie, Kostuem, Frisur, Torte, Limonade u. a. * Die dritte Welle war als Folge der franzoesischen buergerlichen Revolution: Revolution, Republik, Partei, Sozialismus, Buerokratie u. a. Entlehnungen aus slawischen Sprachen: * 11. —14. Jh.: die deutsch-polnischen Handelsbeziehungen: Quark, Gurke * 17. — 19. Jh. wurden Realienbezeichnungen uebernommen: Rubel, Wodka, Samowar, Pelmeni * Zeit nach der Oktoberrevolution 1917 und nach dem Zweiten Weltkrieg (Sowjetismen): Komsomol, Sputnik, Kosmonaut, Wettbewerb, Bestarbeiter, Komplexbrigade Purismus – eine Bewegung fuer Sprachreinigung oder Fremdwortbekaempfung. In Deutschland war diese Erscheinung besonders intensiv u. dauerhaft. Herausbildung der analytischen Verbformen Biverbale Wortgruppen. Zugrunde der beginnenden Entwicklung analytischer Formen des Verbs liegen freie Wortverbindungen, und naemlich biverbale praedikative Wortgruppen, die im Althochdeutschen grosse Verbreitung hatten. Typen von biverbalen Wortgruppen: 1. Drueckt ein dauerndes Geschehen aus (Uuas tha^folc beitoenti Zahariam. 'Das Volk erwartete (buchstaebl. war wartend auf...) Zacharias'). 2. Drueckt den Beginn eines Vorganges oder eines Zustandes aus (Inti nu uuirdist thue suigenti. 'Nun aber wirst du stumm (buchstaebl.wirst du schweigend)'). 3. Drueckt einen resultativen Zustand aus (Argangana uuaerun ahtu daga. 'Es waren acht Tage vergangen'). 4. Drueckt Folge einer Handlug) aus (Herrn, senu thin mna, thia ih habeta gihaltana in suei^duohhe 'Herr, da ist deine Muenze, die ich im Schweisstuche verwahrt hatte'). 5. Drueckt ein zukuenftiges, zu erwartendes Geschehen aus (Thu scalt heran einan allaw altenden. 'Du sollst einen Allmaechtigen gebaeren'). Die Entwicklung des Passivs. Als Grundlage fuer die Entwicklung des analytischen Passivs diente die Opposition von „aktivisch - passivisch" bei den Partizipien der transitiven Verben. Zuerst entwickeln sich die Verbindungen sin (wesan) + 2. Partizip (Gihoerit ist thin gibet. 'Dein Gebet ist erhoert'). Obwohl diese Saetze passivische Bedeutung haben, ist das Modell sin (wesan) + 2. Partizip im Althochdeutschen mehrdeutig. Sie kann sowohl passivische Bedeutung haben, als auch einen Zustand bezeichnen, der als das Passiv gedeutet werden kann oder einfach nominales Praedikat sein: (Der uuarch ist kiuuafanit. 'Der UEbeltaeter ist bewaffnet'). Entscheidend fuer die Herausbildung des analytischen Passivs war der Gebrauch des 2. Partizips vom transitiven Verb in Verbindung mit dem Verb werdan 'werden', der sich zur gleichen Zeit mit den oben beschriebenen Verbindungen sin (wesan) + 2. Partizip entwickelte (Denne uuirdit untar in uuic arhapan. 'Dann wird ein Kampf zwischen ihnen begonnen'). Am Ende der althochdeutschen Epoche sind die Passivformen mit dem Verb werdan bereits ausgebildete und sehr gebraeuchliche analytische grammatische Formen, ein Bestand des Verbalparadigmas. Die Entwicklung des Perfekts und Plusquamperfekt. Diesen analytischen Formen liegen zwei Typen biverbaler Wortgruppen zugrunde. 1. Das Perfekt und das Plusquamperfekt mit haben (Phigboum habeta sum giflanzoetan in sinemo uuingarten. ,Ein gewisser (Mann) hatte einen Feigenbaum gepflanzt in seinem Weingarten‘). In der mittelhochdeutschen Zeit nehmen das Perfekt und das Plusquamperfekt bereits eine feste Stellung im System der Zeitformen ein. 2. Das Perfekt und das Plusquamperfekt mit dem Hilfsverb sin (Diu marha ist farbrunnan. 'Das Land ist verbrannt).'In einigen Sprachdenkmaelern des 8./9. Jh. erscheint in aehnlichem Gebrauch anstatt des Verbs sin, wesan 'sein' das Verb uuerdan 'werden'. Auf der Anfangsstufe ihrer Entwicklung druecken diese Verbindungen einen resultativen Zustand einer Person oder eines Gegenstandes aus, dem ein vorausgehendes Geschehen zugrunde liegt. Stehen die Verben haben, eigan, sin, wesan im Praesens, so bezieht sich dieser resultative Zustand auf die Gegenwart (vgl. diu marha ist farbrunnan), stehen sie aber im Praeteritum, so bezieht sich die ganze Aussage auf die Vergangenheit (vgl. phig-boum habeta sum giflanzoetan in sinemo uuingarten). Die Entwicklung der grammatischen Kategorie des Verbs. Die Kategorie der Zeit. Zu Beginn der mittelhochdeutschen Sprachperiode treten uns das Perfekt und das Plusquamperfekt als vollkommen entwickelte Zeitformen entgegen. Nach ihrem Vorbild entwickeln sich auch das Perfekt und das Plusquamperfekt des Passivs und des Konjunktivs. Die Herausbildung des heutigen Zeitformensystems wird im Mittelhochdeutschen nicht abgeschlossen. Erst im Fruehneuhochdeutschen entwickeln sich das 1. und das 2. Futur sowie der 1. Konditionalis und etwas spaeter der 2. Konditionalis. Im Mittel-und Fruehneuhochdeutschen geht die Bereicherung des Sinngehaltes der Kategorie der Zeit. Es entwickelt sich die grammatische Kategorie der Zukunft. Neben der Kategorie der absoluten Zeit entsteht auch die Kategorie der relativen Zeit. Man kann jedoch in den Schriftdenkmaelern des 12.-13. Jh. bereits die Hauptcharakterzuege des heutigen Zeitformengebrauchs verfolgen (Nibelungenlied): 1) Das Perfekt und das Praeteritum unterscheiden sich hier schon in erster Linie als Gespraechs- und Erzaehlform. Das Praeteritum wird regelmaessig als Erzaehlform gebraucht (Da der herre Sifrit ob dem brunnen tranc,… – 'Als der Herr Siegfried von dem Quell trank…'). Das Perfekt wird regelmaessig als Gespraechsform gebraucht (Wer iuch habe gesendet… – Wer euch geschickt hat, …'). 2) Auf der Grundlage der anfaenglichen perfektiven Bedeutung des Perfekts und des Plusquamperfekts entwickelt sich der relative Gebrauch dieser Formen fuer den Ausdruck der Vorzeitigkeit. Das Plusquamperfekt wird haeufig zusammen mit dem Praeteritum gebraucht und drueckt die Vorzeitigkeit in der Vergangenheit aus (...balde er reit genuoc. Und sagte diu òaårå, was hie was geschehen 'Er ritt sehr schnell und berichtete davon, was hier geschehen war'). Das Perfekt erscheint oft zusammen mit dem Praesens und berichtet von dem vorausgegangenen Geschehen (Ir habet ir zorn verdienet. Jae hoerten wir wol dass,dass iu die herren beide tragent groelen hass. 'Ihr habt ihren Zorn verdient, und wir haben davon gehoert, dass beide Herrscher euch grossen Hass entgegentragen'). Solcher Gebrauch zeigt, dass sich im Rahmen der Kategorie der Zeit eine neue grammatische Bedeutung entwickelt – die Bedeutung der Vorzeitigkeit (d. h. der relativen Zeit) und dass das Plusquamperfekt und zum Teil das Perfekt allmaehlich zu Ausdrucksformen der Vorzeitigkeit werden. Die Entwicklung des Futurs beginnt seit dem 15. Jh. Das Althochdeutsche hatte keine besondere Zeitform fuer den Ausdruck der Zukunft, so dass Praesens meist auch im Sinne der Zukunft gebraucht wurde. Doch trifft man bereits in der althochdeutschen Zeit verschiedene Versuche, die Zukunft auf eine spezielle Weise auszudruecken. Manchmal wird die Verbindung des Verbs sin 'sein' mit dem 1. Partizip dazu gebraucht, da dem 1. Partizip die Bedeutung der Dauer, des unvollendeten Geschehens innewohnt (Ioh altquena thinu ist thir kind berantu 'Und deine alte Frau wird dir ein Kind gebaeren'). AEhnliche Bedeutung hat auch die Verbindung des 1. Partizips mit werdan 'werden'. Man trifft auch den Ausdruck der Zukunft mit Hilfe von Modalverben, die das Geschehen als notwendig, wuenschenswert oder unvermeidlich darstellen (Berga sculun swinnan 'Berge werden (buchstaebl. sollen) schwinden'). Auch in der mittelhochdeutschen Sprachperiode gehoert dem Praesens die Hauptrolle beim Ausdruck der Zukunft, jedoch nach und nach verbreiten sich die Umschreibeformen mit Modalverben und mit dem Verb werden zum Ausdruck der Zukunft (Diu werdent min stimme hcerend 'Sie werden meine Stimme hoeren'). Seit dem 16. Jh. entwickelt sich auch das 2. Futur mit dem Verb werden. Die Grammatiken des 17. Jh. verzeichnen es schon allgemein und rechnen es zum Paradigma des Verbs. Das Futur des Konjunktivs und der Konditional. Das Futur des Konjunktivs entwickelt sich nach dem Vorbild des Futurs des Indikativs im 15.-16. Jh. Doch ist sein Gebrauch im 16. Jh. noch selten; erst im 17.-18. Jh. erhaelt es groessere Verbreitung. Der 1. Konditional entwickelt sich aus den Verbindungen des Verbs werden im Praet. Konj. mit dem 1. Partizip oder mit dem Infinitiv. Die konjunktivische Form des Verbs werden bedingt die potentiale oder irreale Bedeutung dieser Verbindungen sowie ihre Bezogenheit auf die Gegenwart und die Zukunft (Waere mein Reich von dieser Welt, meine Diener wuerden darob kaempfen 'Wenn mein Reich in dieser Welt waere, so wuerden meine Diener darum kaempfen'). Der 2. Konditional entwickelte sich nach dem Vorbild des 1. Konditionals in der neueren Zeit. Besonderheiten der deutschen Literatursprache in OEsterreich Die deutsche Sprache ist Staatssprache in Deutschland, OEsterreich und Liechtenstein und ist eine der vier offiziellen Sprachen in der Schweiz und eine der Sprachen in Luxemburg. Man unterscheidet nationale Varianten der deutschen Literatursprache Deutschlands, OEsterreichs und der Schweiz. Die wichtigste Existenzform der deutschen Gegenwartssprache ist die deutsche nationale Literatursprache (Hochdeutsch). In den deutschsprachigen Laendern weist die deutsche Literatursprache gewisse Eigenheiten im Wortschatz, in der Aussprache, in Wort – und Formenbildung auf. So sagt man in OEsterreich Joenner fuer Januar, Kleiderkasten fuer Kleiderschrank. In der Schweiz heisst es Rundspruch fuer Rundfunk, anloeuten fuer anrufen u. a. OEsterreichisches Deutsch unterscheidet sich in Teilen des Wortschatzes, grammatikalischen Besonderheiten, der Schreibweise und auch in der Aussprache von jenem Hochdeutsch, das in Deutschland durch den Duden kodifiziert ist.  Wortschatz: Es gibt Unterschiede in Amts- und Juristendeutsch (der Akt = die Akte, Gleichschrift – Abschrift, Drucksorte – Formular), Monatsnamen (Jaenner, Feber), Kuechenvokabular (Kukuruz – Mais, Obers – Sahne, Topfen – Quark), Medizinische Fachbegriffe (Ordination – Sprechstunde, Turnusarzt – Arzt im Praktikum) u.a. Grammatikalische Besonderheiten: > Wortbildung (Komposition und Fugenlaute). Zwischen den Elementen der Wortkompositionen tritt im oesterreichischen Deutsch oft ein Fugenlaut wie etwa das Fugen-S (Z.B.: Zugsverspaetung, Schweinsbraten, verfassungsgebend). Andererseits tritt das Fugen-S in einigen Faellen im Gegensatz zum Sprachgebrauch in Deutschland nicht auf (Z.B.: „Adventkalender“ statt „Adventskalender“, „Schadenersatz“ statt „Schadensersatz). > Konjugation. Die zweite Person Plural wird im Praesens und Perfekt gern mit der Endung -ts versehen, um gegenueber der 3. Person Singular klarer abzugrenzen, vor allem wenn das Personalpronomen weggelassen wird (Habts (ihr) das gesehen?). > Perfekt. Fuer Bildung des Perfekts von Verben der Bewegung und Verben, die die Koerperhaltung ausdruecken, wird Hilfsverb „sein“ verwendet („sitzen“: sitzen – bin gesessen, aber: einsitzen (im Gefaengnis) – habe gesessen; „stehen“: stehen – bin gestanden, aber: gestehen – habe gestanden). > Praeteritum/Imperfekt. Praeteritum (in OEsterreich auch „Mitvergangenheit“ genannt) ist in der oesterreichischen Umgangssprache eher ungebraeuchlich. „Ich ging“ oder „ich sah“ wird als fremdartig empfunden, lediglich die Verben sein und wollen werden im Praeteritum gebraucht. Normal ist zu sagen: „ich bin gegangen“ oder „ich habe gesehen“. In der Schriftsprache allerdings wird die Mitvergangenheit verwendet > Gebrauch des Konjunktivs. In OEsterreich wird in der Umgangssprache eher der Indikativ verwendet. Wenn ein Satz tatsaechlich im Konjunktiv gesprochen wird, so drueckt das ein Misstrauen aus. Schreibweise: es gibt einzelne Unterschiede (Z.B.: Hochdeutsch – Weg fuehrt nach Hause, im OEsterreichischen – nachhause oder nach. Das gilt auch fuer zuhause. Statt ohne weiteres wird in OEsterreich ohneweiters bevorzugt). Einige Woerter werden aussprachebedingt anders geschrieben (Z.B.: die oesterreichische Variante Geschoss (mit langem o) im Gegensatz zum bundesdeutschen Geschoss). Aussprache: Die oesterreichische Aussprache und das Lautsystem (Phonetik und Phonologie) enthalten zahlreiche nationale Besonderheiten. In Anlehnung an die im Mittelbairischen im Anlaut weitgehend fehlende Unterscheidung zwischen den Konsonanten „p“ und „b“, „t“ und „d“ sowie (in geringerem Masse und nur regional) „k“ und „g“, der sogenannten Lenisierung, hoeren sich diese Konsonanten bei vielen Sprechern gleich an. Die Endungen auf -ig werden als solche ausgesprochen (so heisst es beispielsweise Koenik oder fertik und nicht wie in Deutschland groesstenteils ueblich Koenich, fertich). Herausbildung der nationalen Literatursprache Die deutsche Sprache ist Staatssprache in Deutschland, OEsterreich und Liechtenstein und ist eine der vier offiziellen Sprachen in der Schweiz und eine der Sprachen in Luxemburg. Man unterscheidet nationale Varianten der deutschen Literatursprache Deutschlands, OEsterreichs und der Schweiz. Sie haben gewisse Eigenheiten im Wortschatz, in der Aussprache, in Wort – und Formenbildung. So sagt man in OEsterreich Joenner fuer Januar, Kleiderkasten fuer Kleiderschrank. In der Schweiz heisst es Rundspruch fuer Rundfunk, anloeuten fuer anrufen u. a. Die wichtigste Existenzform der deutschen Gegenwartssprache ist die deutsche nationale Literatursprache (Hochdeutsch). Merkmale der Literatursprache: * Strenge sprachliche Norm * Polyfunktionalitaet * Stilistische Differenzierung * Territoriale Basis (im Deutschen – Ostmitteldeutsch) Die neuhochdeutsche Sprachperiode ist die Zeit der Herausbildung und der Fortentwicklung der gemeindeutschen nationalen Literatursprache. Es beginnt um 1650 und erstreckt sich bis zur Gegenwart. Im Rahmen der neuhochdeutschen Sprachperiode heben sich deutlich drei Etappen der Entwicklungsgeschichte der gemeindeutschen Literatursprache ab: 1. 1650-1770 – die Anfangsstufe der Entwicklung der gemeindeutschen Literatursprache (Der Wettkampf zwischen den landschaftlichen Varianten der Literatursprache der fruehneuhochdeutschen Zeit wird abgeschlossen. Er endet mit dem Sieg der ostmitteldeutschen Variante der Literatursprache, die zur Grundlage der gemeindeutschen nationalen Literatursprache wird.); 2. 1770-1830 – die Vollendung der Herausbildung der gemeindeutschen Literatursprache und ihre Verankerung in der deutschen klassischen Literatur (Der Prozess der Herausbildung der gemeindeutschen nationalen Literatursprache war im wesentlichen abgeschlossen. Es hatte sich eine weitgehend einheitliche deutsche Literatursprache entwickelt. Es war nicht nur eine gemeindeutsche sprachliche Norm geschaffen, sondern waren auch die literarischen Ausdrucksmoeglichkeiten und Stilformen der deutschen Sprache ausgebildet); 3. 1830-unsere Zeit – die Fortentwicklung der gemeindeutschen Literatursprache in der neueren und neuesten Zeit (Ein maechtiger Anstoss zur Fortentwicklung der deutschen nationalen Literatursprache im 19-20. Jh. waren: > das Aufbluehen der klassischen deutschen Philosophie, > die Entstehung der politischen Literatur und die raschen Fortschritte der Presse, > die Entwicklung des wissenschaftlichen Sozialismus und die Schriften seiner Begruender, > die Entwicklung der modernen deutschen Literatur, > die rasche Entwicklung von Wissenschaft und Technik) Das alles hat die deutsche Gegenwartssprache hervorgebracht. Deutsch innerhalb des Westgermanischen Urgermanisch – die hypothetische Vorlaeufersprache aller germanischen Sprachen, gewissermassen die Ursprache der germanischen Sprachfamilie, zu der unter anderem die heutigen Sprachen Englisch, Deutsch, Niederlaendisch oder Schwedisch zaehlen. Es wurde vermutlich im 1. Jahrtausend v. Chr. rund um die westliche Ostsee gesprochen. Merkmale des Urgermanischen: Phonologie: Im Urgermanischen gab es also weder ein kurzes /o/ noch ein langes /à/. Ob es nur einen oder mehrere lange /å/-Laute gegeben hat, ist umstritten. Haeufig werden zwei unterschiedliche Phoneme /å1/ (Langvokal /àå/) und /å2/ (Diphthong). Die Diphthonge waren /ai/, /au/, /eu/, /iu/. Morphologie: * Nominalsystem: > Kasus: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ, Instrumental und Vokativ; > Numeri: Singular, Dual und Plural; > Genera: Maskulinum, Neutrum und Femininum * Verbalsystem: > Modi: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ, sowie auch Aktiv und (Medio)passiv. > Tempora: Praesens und Praeteritum * Adjektiv: > schwache Adjektivflexion Wortschatz: Der protogermanische Wortschatz enthaelt viele Woerter, fuer die ein indogermanischer Ursprung schwer nachzuweisen ist oder rundheraus abgestritten wird (Z.B.: Schiffswesen und Seefahrt). Lehnwoerter belegen vor Allem nahe Beziehungen zu den keltischen Sprachen. Die Aufspaltung des Urgermanischen und die Herausbildung der germanischen Einzelsprachen begannen mit der Ausbreitung der germanischen Staemme nach dem Sueden um 800 v.u.Z. (die germanischen Staemme in Skandinavien und die kontinentalen germanischen Staemme an der westlichen Ostsee). Im Laufe der weiteren Auswanderung lassen sich folgende Gruppen germanischer Staemme unterscheiden: > Ostgermanen: Goten, Burgunder, Wandalen > Nordgermanen: Skandinavier, Finnen und Lappen > Westgermanen: * Nordseegermanen: Friesen, Angeln, Sachsen, Jueten * Elbgermanen: Alemannen, Baiern, Langobarden * Weser-Rheingermanen: Franken Die Stammesdialeke der Alemannen, Bayern, Franken, Hessen und Thueringer bildeten spaeter die Grundlage des Althochdeutschen. In der Voelkerwanderung und bis 770 blieben sie schriftlos und existierten als ein Kontinuum von Sprechdialekten. Die ersten schriftlichen Denkmaeler entstanden im spaeten katholischen Frankenreich. Aus den Dialekten der westgermanischen Staemme entwickelten sich das Englische, Deutsche, Niederlaendische und Afrikaans.